2006


Mäker, 26.27.8.06 / Leben für den Jazz von Margot Schöning
Mit einer sommerlichen, jazzigen Abend-Session, mit gut vier swingenden Sternstun" den feierten nahezu alle Größen des DDR-Jazz und viel Jazz-Volk den 75. Geburtstag der Grand Dame des Jazz. Schon 2005 wie auch in diesem Jahr hatte Jazz Collegium Moderator und Bassist Stefan Lasch nicht nur während des Jazz-Brunch in Himmelpfort dezent humorvoll und mit unübersehbarem T-Shirt-Hinweis immer wieder das dreiviertel Jahrhundert der ältesten und aktivsten Jazzsängerin Deutschland angekündigt. Er wurde vielfach gehört. Der Innenhof des Köpenicker Rathauses war gerammelt voll. Fast bogen sich die harten Holzsitzbänke. Das Servierteam hatte Mühe, sich mit vollen Tabletts durch die Reihen zu quetschen. Ausverkauftes Haus, dazu 120 geladene Gäsc te, dicht vor der Bühne platziert. Von der bevorstehenden Fülle, der stundenlangen Begeisterung und Ehrerbietung konnte Ruth Hohmann nur etwas ahnen, als sie am hinteren Tor des Köpenicker Rathauses aus dem Wagen stieg. "Was haben die nur mit mir vor?", fragte sie. Dass an einer kreativ großen Überraschung gestrickt wurde, blieb nicht verborgen. Schon der Auftakt hatte es in sich. Alle Musiker spielten für die zu Beginn noch schwarz gekleideten Geburtstagslady "Happy .Birthday" aus dem Publikum heraus. Dann begann auf der Bühne die Gratulationskur musikalisch und per Wort, Takt auf Takt. Per Leinwanddirektschaltung überraschte aus Australien der einstige Collegium Schlagzeuger Karl Vetter mit seinem selbst ,verfassten Gedicht....
Das alles rührte Ruth Homann unendlich, auch die 75 RoseIl, "die.junge Gastronomen ihr einzeln überreichten. Sie setzte ihrer Jazzmesse fast einen Schlusspunkt, als sie auf der Bühne singend tanzte, die Beine in die Luft schwang und in die Hocke ging. Darauf hatten viele gewartet. Und das mit 75. Jahren. Der Jazz hat sie jung gehalten....
In den'vergangenen Jahren ließ die souveräne Jazzlady ihr Publikum jubeln, wenn sie eigene deutsche Texte wie "Er ist sauer uff dir" auf klassischen Jazz Titeln zum Beispiel von "Goddy, goddy" vortrug. Man musste nicht unbedingt Berliner sein, um ihr musikalisches Berlinern zu verstehen. Im nächsten Jahr will sie wieder zu den Klassiktagen nach Himmelpfort kommen.

 
Melodie & Rhythmus Ausgabe 11, August 2006 / Ruth Hohmann - Lehrerin, Künstlerin, 75 - von André Herzberg
....Es gab noch andere Lehrer an der Hochschule, abgehalfterte Schlagersänger, doch sie und der Leiter der Abteilung Tanzmusik Alfons Wonneberg hatten eine Nische gebaut, in der ich unterkriechen konnte, gegen den Widerstand der Schlagersängerin. Wichtiger war, Ruth nahm mich ernst, ich wusste damals, was ich nicht wollte, viel schwieriger war es, meine Vision meiner künstlerischen Zukunft zu finden. Also sang ich, ...alles Mögliche, Noten besorgte ich mir in der Bibliothek der amerikanischen Botschaft. Sie hatte das Zimmer 119 in der Hochschule, "Machen Sie mich nicht immer nach! ", warf ich ihr vor, aber genau das war es, sie führte mir alle meine Eitelkeiten vor. Aber niemals trampelte sie auf mir rum oder kam mir mit Verboten. Musik ist eben auch Handwerk, dies konnte man gut an der Schule lernen, Hohmann hat Geduld, Humor, handwerkliches Können. Wenn ich oft von Verboten eingeengt, von Regeln kastriert wurde, war sie anders. Gesang ist die Kunst, die Seele durch den Mund sprechen zu lassen, wenn du das nicht beherrschst, kann es dir kein Lehrer der Welt beibringen, aber den Weg ebnen, das hat sie getan. Und sie lehrte mich Demut vor den Mitspielern, sie hasst bis heute Stargehabe, vielleicht ist sie deshalb auch nie einer geworden. Sie lehrte mich, dass Gesang auch Bedeutung hat - jenseits von Wörtern, nur durch Betonung der "Schnurrediebuhr"......
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