2007


MOZ 29.10.07 "Der Funke sprang über" 6. Jazz-Tage begeisterten Publikum.... von Cornelia Link
....Der anschließende Auftritt der legendären DDR-Jazzsängerin Ruth Hohmann (74) (Ruth ist &dbquo;75 red. Anmerkung) und dem ,,Jazz-Collegium Berlin" brach im Haus alle Vorverkaufs-Rekorde. &dbquo;Wir hatten weit mehr verkaufte Karten als Stühle, erinnert sich Friedrich Stachat, der beim Ansturm kurzerhand an der Kasse aushalf. Weggeschickt wurde niemand - stattdessen Stühle aus allen Etagen in den Musikkeller geschafft. Begeistert von Standards und Variationen waren Jugend und auch Ältere, die Ruth Hohmann noch aus der eigenen Jugend kannten. &dbquo;Hans Rosenthals wäre beim Konzert ständig mit dem Ausruf &dbquo;Spitze" in die Luft gesprungen, lobten Jürgen und Heidi Luban seit Jahren Stammgäste der Jazz-Tage. &dbquo;Es war eine tolle Atmosphäre, wir waren innerlich richtig aufgeregt, gaben die Fürstenwalder zu. &dbquo;In dem kleinen Klub springt der Funke zwischen Band und Publikum schnell über, das ist das große Plus des Festivals.....
 
Märker 18./19.08.07 " 35 Jahre JAZZ COLLEGIUM Berlin - Jazzklänge - keine Session im üblichen Sinn"
von Margot Schöning
Bei den Himmelpforter Klassiktagen sind Ruth Hohmann, die Grand Dame des Jazz, und ihre jazzige Begleitung, das Jazz Collegium Berlin, inzwischen ein Magnet, für den der Veranstalter zunehmend mehr Tische und Stühle auf den gepflegten Rasen das Landhaus-Hotels stellen muss.
Obwohl schon 75 Jahre alt, hat die zierliche, stimmgewaltige Professorin Hohmann mit sehr viel Sinn für Humor ver‧sprochen, im nächsten Jahr wieder zu kommen. Nicht von ungefähr stand sie auch im knüppeldick vollen Innenhof des Köpenicker Rathauses am letzten Wochenende im Mittelpunkt, war der viel umjubelte Star der Jamsession zum 35. Jahrestag ihrer Band, dem Jazz Collegium Berlin.ln der Reihe "Jazz in Town" wurde über drei Stunden lang mit vielen Gastsolisten eine musi‧kalische Collage aus Anekdoten und historischem Bildmaterial zu 35 Jahre Bandannalen in den lauen Köpenicker Sommerabend gejazzt. Die Geschichte begann mit sechs jungen Männern, die anno 1972 im Stimmzimmer der Komischen Oper zu Berlin beschlossen, eine Dixielandband zu gründen. Da zu jener Zeit alles Englische von der Staatsmacht sehr skeptisch beäugt wurde, nannten sie
Die Gründer, Hartmut Behrsing (Posaune) und Ernstgeorg Hering (Trompete), sind nach 35 Jahren noch immer dabei. 1974 kam Ruth Hohmann zur Band. Seitdem ist das "JAZZ COLLEGIUM" aus
der Szene nicht mehr wegzudenken. Im Vergleich zu anderen traditionelle Jazzbands schlug das &dbquo;COLLEGIUM einen Mainstream-Weg mit einem stets modernen, swingenden Sound ein. Ein Konzept, dem die Band bis heute treu geblieben ist. Nicht nur in Clubs und auf Konzertpodien avancierte die Band. Veranstaltungsreihen &dbquo;Jazz - Lyrik - Prosa", &dbquo;Jazz im Frack" oder "Classic Opeen Air - das "JAZZ COLLEGIUM" entwickelte sich zu einer Band mit einem hohen musikalischem Anspruch. Die Vielseitigkeit zeigte sich auch in Inszenierungen an der Volkbühne und der Komischen Oper Berlin ("Catull's Liebe zu Les‧bia" 1974, "Momus Suche nach dem verlorenen Traum", 2003) sowie in TV- und Filmproduktionen oder durch die Teilnahme an Jazzfestivals in Polen, Holland, Ahrenshoop, Berlin- Köpenick und beim Dresdener Dixielandfestival. Bei der ausverkauften Jubiläums Homage übernahm Schauspielerin Walfriede Schmitt den Part der "Geschichtchen- Erzählerin ". Im zweiten Teil dieses besonders reizvollen Konzertes jazzten die Bandmitglieder Hartmut Behrsing, Hans Georg Hentschel, Ernstgeorg Hering, Patrick Braun, Andreas Hentschel, Volker Kaufmann und Stefan Lasch mit befreunden Stars der Jazzszene von gestern und heute wie Sören Pehrs, Ernst-Ludwig Petrowski, Peter Tüllmann, dem langjährigen Leipziger Musikprofessor Konrad Körner, Benjamin Kreaf,  Mathias Hessel, Wolfgang Eckardt, Bernd Ratmeyer und Horst Würzebesser.
Keine Session im üblichen Sinn wurde geboten, sondern Spezial-Arrangements, bei denen jeweils ein Instrument im Mittelpunkt stand.
Premiere hatten zum Schluss die stimmgewaltigen "Ruth Hohmann Singers". Ruth Hohmann, Uschi Brüning, Charlotte, Voigt, Tim Mohn und Volker Kaufmann rissen mit ihren Interpretationen von Jazzklassikern wie "Jersey Bounce", "Bye Bye Blackbird", "Sentimental Journey" und "Girl Talk'" die Zuhörer von den Stühlen. Erst kurz vor Mitternacht begaben sich die Gäste auf einen beschwingten Heimweg.

 
Mitteldeutsche Zeitung, 05.07.07, Mit "Ruthchen" in die Pause von Ute van der Sanden
Die Berliner Jazzsängerin Ruth Hohmann jammt mit den Muldebuben im Theaterkeller
Dessau-Roßlau/MZ. Sie gilt als "First Lady of Jazz" in der DDR, war die erste Dozentin für Jazzgesang bei "Hanns Eisler" in Berlin. Sie stammt aus Eisenach, man hört es noch: Hatte "wegen Dabdudei und Englisch" Berufsverbot. Sie gibt die komische Alte so überzeugend wie die feinfühlige Blues-Interpretin. Sie gibt ihre Jahre offen zu: 76 wird sie demnächst. Und sie ist mit dem Dessauer Dramaturgen Ernstgeorg Hering befreundet, der sie am Montag zu "Jazz und Poesie" ins Anhaltische Theater holte.
Fesselnde Erzählungen
Ruth Hohmann verkörpert ein Stück Musikgeschichte, sie arbeitete mit allen; die im Mauerstaat erfolgreich Jazz spielten, darunter Manfred Krug, Günter Hörig, Klaus Lenz, Ernst-Ludwig Petrowsky, Günter Sommer. Mit Fips Fleischer tourte, mit Helga Hahnemann korrespondierte sie. Putzig, wie. die agile Lady im Theaterrestaurant einen Break erklärte: ein Loch, das der Gesangssolist fülle.' Flugs brachte sie ein Blues-Schema unter die Leute: "Sohön hab ich 'nen Chorus!" Hohmanns Erzählungen gerieten fesselnd. Anekdotisch. Nur ein bisschen nostalgisch. Und voller Selbstironie: "Früher hab ich so hoch gesungen, wie ich heute gar nicht mehr denken kann!"
Ihre Bühnenpräsenz aber ist überwältigend. Ihr kosmopolitischer Gesang spiegelt die Einflüsse von Mahalia Jackson bis Ella Fitzgerald wie das eigene Musikerleben. Zwar erinnerte die Stimme an eine, nun ja, in die Jahre gekommene Ziehharmonika. Doch zeigte sie sich technisch gut in Schuss, und so intonierte Ruth Hohmann superb, die noch volle mittlere und tiefe Lage ausreizend.
Sie sang Swing, Blues und New-Orleans-Jazz, ließ die Übergänge zu Jazzschlager und -chanson verfließen. Sie jammte mit der Mulde Jazz-Buben-Band und klang apart im Trio mit Posaunist Hartmut Behrsing und Stefan Lasch am Bass. Beim Scat glitt sie geschmeidig durch die Vokalisen, immer wählte sie gekonnt aus ihrem großen Klangfarbenspektrum. Sie plapperte' den "Maple Leaf Rag" und schmiss dazu die Beine, sie trällerte Brahms' "Guten Abend, gut Nacht" in der 'charmantesten Version, seit es Jazz-Adaptionen gibt. Und fiel in "I can't give you" mit sich selbst ins Duett, krächzend wie Louis Armstrong und fiepend wie Eartha Kitt - hinreißend! ....Existierte der Zuschauerpreis für ein Lebenswerk, "Ruthchen" hätte ihn bekommen.
 
ND, 06.01.07 / Satire, Jazz und Radschlag, Jazz-Lyrik-Prosa begeisterte auch beim 222. Mal von Walter Kaufmann
Man sollte sich den alljährlichen Januar-Termin in der Komischen Oper vormerken – allein schon aus Solidarität. Und natürlich wegen des Vergnügens, das man haben wird. Ruth Hohmann, diese Ruth seventy five mit dem Jazz Collegium Berlin, war am Donnerstag quer durch diesen nun schon 222. Abend von »Jazz–Lyrik–Prosa« von rauschendem Beifall begleitet und legte einen Abschiedsblues hin, der auch die Schwarzen von New Orleans Basin Street von den Stühlen gerissen hätte.
Und spätestens, als Peter Bause sich als lebenslänglicher Angestellter beim »Theater Deutschland« zu erkennen gab (Intendantin Angela Merkel), hatte er die Lacher auf seiner Seite – da brauchte es nur noch Texte wie die von Hans J. Stein und Willi Bredel, um das Publikum rundum zu gewinnen.
Wer schlug am Ende aus lauter Übermut ein Rad auf der Bühne – und warum? Wiglaf Droste war es, Autor, Sänger, Tausendsassa der Medien, den es gepackt hatte, weil er auch mit seiner Satire auf die Brandenburger blendend angekommen war. Auch Lutz Stückrath, Borstenhaarschnitt und flinke Zunge, sowie Madeleine Lierck, kesse Berliner Göre wie elegante Lady, gaben zum Jubel ihrer Fans dem Affen Zucker. Und allesamt, dazu die sechs genialen Musiker des Jazz Collegiums, wurden stolz-vergnüglich von Josh Sellhorn moderiert, der auch das Programm gestaltet hatte – und sich darauf verlassen darf, dass im Januar 2008 bei »Jazz-Lyrik-Prosa« die Komische Oper wieder ausverkauft sein wird.
2011
 
2010
 
2009
 
2008
 
2007
 
2006
 
2003
 
2002
 
1998
 
1991
 
1984
 
1979
 
2011
1961
 
1975
1961